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Sitzungsdurchfall - Im Burgenlandkreis läuft es mega


Es ist eine dieser Meldungen, die man zweimal lesen muss, um sicherzugehen, dass sie kein Satirebeitrag ist: Die Kreistagssitzung fällt durch... ähm... aus. Offiziell nennt man das im Ratsinformationssystem sachlich „Sitzungsausfall“. Inoffiziell heißt es, es gebe schlicht nicht genug Themen.



Man könnte meinen, der Burgenlandkreis sei damit der erste Landkreis Deutschlands, in dem die großen und kleinen Probleme des Alltags vollständig gelöst wurden. Keine offenen Fragen, kein Diskussionsbedarf – politische Vollendung auf kommunaler Ebene.

Ein Blick auf den Sitzungskalender rundet dieses Bild ab. Die letzte Kreistagssitzung fand am 27. April 2026 statt. Die nächste ist erst für den 29. Juni 2026 angesetzt – also gut zwei Monate später. Danach verabschiedet sich die Kommunalpolitik in die Sommerpause, bevor am 5. Oktober 2026 wieder getagt werden soll.

Anders gesagt: Zwischen Ende April und Anfang Oktober kommt der Kreistag auf genau zwei reguläre Termine. Dazwischen: erstaunlich viel Ruhe für eine Region, die demnach nichts zu besprechen hat.

Diese Gelassenheit wäre beeindruckend, wenn sie nicht so demonstrativ an der Realität vorbeiging.

Denn ganz ohne Themen ist der Burgenlandkreis dann doch nicht unterwegs. Die Bevölkerung schrumpft kontinuierlich, junge Menschen ziehen weg, ganze Regionen kämpfen mit Überalterung. Strukturwandel und Infrastruktur bleibt Dauerbrenner.

Doch offenbar reicht das alles nicht aus, um eine Sitzung zu rechtfertigen.

Währenddessen wird auch im Kleinen Effizienz großgeschrieben. Bei manchen Ausschüssen reicht ein Zeitfenster von 17:00 bis 17:15 Uhr. Fünfzehn Minuten für demokratische Beratung inklusive Bürgerfragestunde – das schafft sonst nicht einmal ein durchschnittlicher Friseurbesuch. Hier hingegen scheint es zu genügen, um politische Prozesse „abzuwickeln“. Diese Sitzungen flutschen dann wohl ähnlich reibungslos durch wie ganze abgesagte Kreistage.

Der Blick über den Tellerrand macht die Sache nicht weniger irritierend. Sachsen-Anhalt sieht sich mit steigenden politisch motivierten Straftaten konfrontiert. Haushaltsfragen bleiben angespannt, und viele Kommunen kämpfen mit finanziellen Spielräumen, die keine Spielräume sind. Bundesweit stehen Themen wie Migration, wirtschaftliche Entwicklung, Fachkräftemangel oder die hohen Spritpreise auf der Agenda. Obwohl: Die Spritpreise sollen ja ab Mai um sage und schreibe 17 Cent pro Liter sinken. Dieses Problem ist damit wohl gelöst.

Im Burgenlandkreis scheint davon nichts anzukommen – oder zumindest nichts, was man gemeinsam diskutieren müsste.

Dabei wäre genau das die Aufgabe eines Kreistages: Probleme bündeln, Druck aufbauen, Impulse geben – auch in Richtung Landes- und Bundespolitik. Doch wer nicht tagt, kann auch nichts fordern. Und wer nichts fordert, muss sich später nicht vorwerfen lassen, etwas versäumt zu haben.

So entsteht der Eindruck einer politischen Komfortzone, in der weniger die Lösung von Problemen im Vordergrund steht als deren elegante Umgehung. Wenn es keine Themen gibt, gibt es auch keine Konflikte. Und ohne Konflikte bleibt alles schön ruhig.

Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft hinter dem „Sitzungsdurchfall“ - ähm... Sitzungsausfall: Nicht, dass es nichts zu besprechen gäbe – sondern dass man sich entschieden hat, es einfach nicht zu tun.

Im Burgenlandkreis läuft es eben. Irgendwie. Mega!
Verfasser: АИИ  |  28.04.2026
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