2,8 Millionen Mal daneben: Finanzämter produzieren Fehler am Fließband - und die Politik klatscht Beifall!
Sensationelle Enthüllung aus dem Bundesfinanzministerium: Über 2,8 Millionen Steuerbescheide wurden 2025 korrigiert, weil die Bürger Einspruch eingelegt haben. Zwei von drei angefochtenen Bescheiden landen im Müll der Abhilfe. Willkür? Vorsatz? Oder schlicht grandioses Staatsversagen, das unsere genialen Politiker mit strahlendem Lächeln als „hohe Filterwirkung des Rechtsbehelfsverfahrens“ verkaufen?
Das Bundesfinanzministerium hat es selbst schwarz auf weiß veröffentlicht – im Monatsbericht September 2026, fein versteckt hinter bürokratischem Neusprech. 2.813.661 Einsprüche wurden 2025 durch „Abhilfe“ erledigt. Das sind 63,1 Prozent aller erledigten Einsprüche. In der Amtssprache heißt das: Das Finanzamt hat dem Bürger Recht gegeben und den Bescheid geändert. Patricia Lederer von TaxPro hat den Finger in die Wunde gelegt: Dahinter stecken oft Fehler, Schätzungen, nicht anerkannte Ausgaben, veraltete Rechtsauffassungen oder schlichtes Übersehen. Und das bei offiziellen Zahlen aus Berlin. Herzlichen Glückwunsch an den Steuerstaat!
Das Finanzamt als Fehlerfabrik – und die Regierung findet es „hochwirksam“
Natürlich ist nicht jeder der über 30 Millionen Einkommensteuerfälle pro Jahr falsch. Aber von denen, die Bürger mutig anfechten, korrigiert die Behörde selbst in fast zwei Dritteln der Fälle. Das BMF schreibt brav, viele Abhilfen kämen zustande, weil erst im Einspruchsverfahren Erklärungen nachgereicht oder Belege nachgeschoben würden. Wie nobel! Als ob die Bürger schuld wären, dass der ursprüngliche Bescheid danebenlag. Die Realität sieht anders aus: Werbungskosten abgelehnt, Betriebsausgaben ignoriert, Schätzungen bei Bargeldbetrieben, falsche Behandlung von Aktienverlusten, Renten im Ausland, Gewerbesteuer-Streitigkeiten. Und dann, nach Einspruch: „Ach so, Sie haben Recht.“Unsere Politik feiert das als Triumph der Rechtsstaatlichkeit. „Hohe Filterwirkung“ des außergerichtlichen Verfahrens, jubelt das Ministerium. Nur ein Bruchteil endet vor Gericht. Wie effizient! Man stellt einfach massenhaft strittige oder fehlerhafte Bescheide aus, und wer sich nicht wehrt, zahlt. Wer sich wehrt, bekommt oft Recht – und das System nennt sich selbst erfolgreich. Bravo, liebe Bundesregierung! Ihr habt ein System geschaffen, in dem der Bürger zum Korrektor der Verwaltung wird. Das nennt man wohl Bürgerbeteiligung auf höchstem Niveau.
Nach dem klaren Verfassungsgebot der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung (Art. 20 Abs. 3 GG) und der persönlichen Verantwortung der Beamten für die Rechtmäßigkeit ihrer Handlungen dürfte es so viele fehlerhafte oder korrigurbedürftige Steuerbescheide eigentlich nicht geben.
Willkür, Vorsatz oder glorreiche Inkompetenz?
Stellen wir die Frage, die sich jeder denkt: Ist das Absicht? Werden Bescheide bewusst so formuliert, dass der uninformierte Steuerzahler über den Tisch gezogen wird und nur der Einspruchsbereite sein Geld zurückholt? Oder ist es reine Willkür der Sachbearbeiter, die unter Zeitdruck und mit Software arbeiten, die die komplizierten Gesetze sowieso nicht voll abbilden? Oder – und das ist die charmanteste Variante – schiere Inkompetenz, die aus dem Fachkräftemangel und dem selbstgeschaffenen Gesetzesdschungel resultiert?Der Fachkräftemangel greift auch bei den Finanzbehörden durch
Tausende Stellen unbesetzt, Überlastung, demografischer Wandel, unattraktive Arbeitsbedingungen. Die Deutsche Steuer-Gewerkschaft und ver.di schlagen seit Jahren Alarm: Zu wenig Personal, zu hoher Druck, zu wenig Zeit für gründliche Prüfungen. Und was macht die Politik? Sie reformiert, digitalisiert, reorganisiert und verspricht Besserung – während die Fehlerquote bei angefochtenen Bescheiden stabil bei über 60 Prozent Abhilfe bleibt. Genial! Man produziert den Mangel selbst, indem man den öffentlichen Dienst unattraktiv hält, und wundert sich dann über die Ergebnisse.Sind die Gesetze einfach so monströs kompliziert, dass selbst die Steuerbeamten nicht mehr durchblicken?
Das deutsche Steuerrecht ist ein Meisterwerk der Undurchsichtigkeit – Jahr für Jahr neue Sonderregeln, Ausnahme von der Ausnahme, Urteilswellen und BMF-Schreiben, die niemand mehr im Kopf behalten kann. Unsere Gesetzgeber in Regierung und Parlament, die so gerne „Vereinfachung“ predigen, schaffen gleichzeitig immer neue Komplexität. Und dann staunen sie, dass die Verwaltung stolpert. Welch heldenhafte Leistung der Politik: Sie baut ein Labyrinth und beschwert sich, dass die Wächter sich verirren.Der Bürger als unbezahlter Qualitätskontrolleur – danke, Staat!
Das Schöne daran: Der Einspruch ist kostenlos und jeder kann ihn einlegen. Man braucht nicht einmal Anwalt oder Steuerberater – auch wenn das System so undurchsichtig ist, dass viele genau das tun. Patricia Lederer empfiehlt Mustervorlagen und prüft genau, ob Summen abweichen oder ob neue Urteile, Musterprozesse oder nachträglich bekannt gewordene Abzugsmöglichkeiten greifen. Zwei von drei angefochtenen Bescheiden werden korrigiert. Das ist keine Petitesse. Das ist System.Die Politik lobt die Filterwirkung
Und die Politik? Sie lobt sich selbst für die „Filterwirkung“. Sie feiert, dass so wenige klagen. Sie ignoriert elegant, dass Millionen Bürger erst durch eigenen Aufwand zu ihrem Recht kommen – während die, die dem Bescheid vertrauen oder die Frist verpassen, stillschweigend zahlen. Das ist keine Verwaltung, das ist ein Glücksspiel mit dem eigenen Geld, bei dem der Staat die Regeln schreibt und die Bank hält.Wie großzügig von unseren Volksvertretern, ein solches System zu pflegen! Sie sorgen dafür, dass der Steuerzahler nicht nur zahlt, sondern auch noch die Fehler der Behörden ausbügelt. Fachkräftemangel? Wird schon. Komplizierte Gesetze? Sind halt notwendig für die Gerechtigkeit. Fehlerquote? Beweist nur, wie gut das Rechtsbehelfsverfahren funktioniert.
