Deutsch English Français Español Türkçe Polski Русский Română Українська العربية
Wise

Der Sprit-Steuer-Senker! FDP-Fraktionschef entdeckt nach fünf Jahren Mitregieren die „Steuer auf die Steuer“ - und zwar exakt drei Wochen vor der Landtagswahl. Was für ein Zufall!


Andreas Silbersack postet, der Staat kassiere beim Tanken skandalös doppelt ab. Die Mehrwertsteuer müsse endlich runter von Energiesteuer und CO₂-Abgabe. Klingt mutig. Klingt gerecht. Klingt vor allem nach reinem Wahlkampf-Populismus.



Herr Silbersack entdeckt die Steuer auf die Steuer – nach fünf Jahren Mitregieren und exakt rechtzeitig zur Landtagswahl. Ein Wunder der politischen Spontaneität.

Andreas Silbersack, Fraktionschef der FDP im Landtag von Sachsen-Anhalt, Mitglied der seit 2021 mitregierenden Koalition und stolzer Träger der Hashtags #fdp #freiheit #fdphal #Silbersack2026, postet am 13. August 2026 auf Facebook etwas Revolutionäres: Beim Tanken zahlen die Menschen nicht nur Energiesteuer und CO₂-Abgabe. Auf diese staatlichen Belastungen wird anschließend auch noch Mehrwertsteuer erhoben. „Diese doppelte Belastung ist nicht gerecht.“ Die Mehrwertsteuer solle künftig nur auf den eigentlichen Nettopreis erhoben werden, nicht zusätzlich auf bereits enthaltene Steuern und Abgaben. „Der Staat darf sich nicht zum Gewinner steigender Preise machen.“ Dazu Wahlplakate: „Schluss mit der Steuer auf Steuern. Keine Steuer auf die Steuer.“ Und „MwSt beim Tanken nur auf den Nettopreis“. Am 6. September FDP, weil sich was ändern muss.



Der scharfsinnige Analytiker

Man muss dem Mann Respekt zollen. Fünf Jahre sitzt die FDP in der schwarz-rot-gelben Landesregierung Sachsen-Anhalts (zuerst unter Haseloff, dann unter Schulze), stellt die Ministerin für Infrastruktur und Digitales, und plötzlich, wenige Wochen vor der Wahl, fällt dem Fraktionsvorsitzenden auf, dass der Staat bei Kraftstoffen Steuern auf Steuern erhebt. Was für ein scharfsinniger Analytiker! Während andere Politiker solche Details schon 2007 (MwSt-Erhöhung) oder spätestens 2021 (Einführung der CO₂-Bepreisung) bemerkt hatten, braucht Silbersack den Wahlkampf, um diesen Skandal zu enthüllen. Bravo. Endlich jemand, der nach Jahren der Regierungsbeteiligung die Augen öffnet.

Zur Erinnerung: Energiesteuer beträgt seit Jahren unverändert 65,45 Cent pro Liter Benzin und 47,04 Cent pro Liter Diesel. Dazu kommt die CO₂-Abgabe, die 2026 im Korridor von 55–65 Euro pro Tonne liegt und pro Liter grob 15–20 Cent (inkl. MwSt-Effekt) ausmacht. Auf die Summe aus Produktpreis + Energiesteuer + CO₂-Abgabe wird dann brav 19 Prozent Mehrwertsteuer draufgeschlagen. Die „Steuer auf die Steuer“ macht damit grob 12 bis 15 Cent pro Liter aus – je nach Kraftstoff und aktuellem CO₂-Preis. Ein Pendler, der 1.500 Liter im Jahr verbraucht, spart also rechnerisch vielleicht 180 bis 225 Euro jährlich - oder 15 bis 20 Euro monatlich. Wahnsinnige Entlastung!

Nicht für irgendwelchen Luxus ausgeben

Doch Vorsicht, liebe Bürgerinnen und Bürger: Gebt diese wahnsinnige Ersparnis (wenn sie denn tatsächlich irgendwann mal kommen sollte) bitte nicht auf einmal für irgendwelchen Luxus aus. Kein Eis am Wochenende, kein Kinobesuch, und vor allem keinen Urlaub. Bei 15 Cent pro Liter und einem 50-Liter-Tank sind das ganze 7,50 Euro. Das könnte die gesamte Binnenkonjunktur aus den Angeln heben, wenn man es leichtsinnig in den Konsum steckt. Besser aufs Sparbuch legen und dem Staat danken, dass er einem so großzügig die Möglichkeit gibt, 7,50 Euro zu behalten – sobald Berlin das vielleicht irgendwann beschließt.

Populismus von der FDP

Denn hier wird es wirklich komisch. Energiesteuer, Umsatzsteuer und die nationale CO₂-Bepreisung sind Bundesrecht. Der Landtag von Sachsen-Anhalt kann darüber so viel beschließen wie über die Farbe der Ampeln in Brüssel. Im Landtagswahlkampf dieses Thema groß aufzuziehen, ist reiner Populismus pur – und das von einer Partei, die seit fünf Jahren mitregiert und in Berlin (in der Ampel bis November 2024) jahrelang den Finanzminister stellte. Damals störte sich die FDP erstaunlich wenig an der „Doppelbelastung“. Man war mit Schuldenbremse, Bürgergeld-Debatten und dem eigenen Überleben beschäftigt. Die berühmte „Steuer auf die Steuer“ existierte schon damals, und niemand in der FDP-Führung rannte damit schreiend durch die Gänge.

Der mutige Andreas Silbersack (FDP)

Nach dem Ende der Ampel und dem kurzen „Tankrabatt 2.0“ (befristete Absenkung der Energiesteuer um rund 14 Cent netto bzw. 16,7 Cent brutto im Mai und Juni 2026 unter der neuen schwarz-roten Konstellation) legte sich die FDP bundesweit auch nicht gerade ins Zeug für eine strukturelle Abschaffung der Mehrwertsteuer auf die Abgaben. Man forderte zwar allgemein niedrigere Energiesteuern und ein Ende nationaler Alleingänge, aber die konkrete „keine Steuer auf die Steuer“-Kampagne bleibt wohl nun dem sachsen-anhaltinischen Wahlkampf vorbehalten. Derzeit regiert die FDP nur noch in Sachsen-Anhalt mit. In den anderen Ländern ist sie entweder draußen oder erst gar nicht mehr im Parlament. Umso mutiger, dass Herr Silbersack ausgerechnet dort, wo er mitregiert und faktisch nichts ändern kann, die große Gerechtigkeitsfrage stellt.

Ein klassisches Wahlkampf-Manöver

Fünf Jahre lang regieren, die Doppelbesteuerung stillschweigend mittragen (oder zumindest nicht priorisieren), und dann drei Wochen vor dem 6. September die Plakate drucken und so tun, als hätte man gerade erst den Taschenrechner entdeckt. Respekt für den Timing-Sinn. Weniger Respekt für die Ernsthaftigkeit. Die Bürger sollen jetzt bitte die 12–15 Cent Ersparnis (sobald Berlin das irgendwann beschließt) nicht verprassen – und sich gleichzeitig fragen, warum ausgerechnet der seit 2021 mitregierende Landespolitiker dieses bundespolitische Thema erst jetzt so leidenschaftlich für sich entdeckt hat. Weil sich was ändern muss? Oder weil am 6. September gewählt wird?


Verfasser: АИИ  |  13.08.2026  |  Text- und Bildinhalte können zum Teil mit oder durch KI generiert sein.
Jeden Tag neue Angebote bis zu 70 Prozent reduziert

Weitere Artikel
Raiffeisenbank muss Generalversammlung wiederholen? - Das Problem ist hausgemacht! - Leserbrief und Analyse

Raiffeisenbank muss Generalversammlung wiederholen? - Das Problem ist hausgemacht! - Leserbrief und Analyse

Die letzte Generalversammlung der Volks- und Raiffeisenbank Saale-Unstrut eG am 25. Juni 2024 hat die Tagespresse dieses Jahr nicht propagie…
zum Artikel »
Wir wissen, die Decke ist viel zu klein! - Vorstellung der Kandidaten für die Kommunalwahl und Bürgerdialog in Hohenmölsen am 13. Mai 2024

Wir wissen, die Decke ist viel zu klein! - Vorstellung der Kandidaten für die Kommunalwahl und Bürgerdialog in Hohenmölsen am 13. Mai 2024

Wer wollte und konnte hatte am 13. Mai 2024 die Möglichkeit aktiv dem Bürgerdialog in Hohenmölsen beizuwohnen, bei dem auch die Kandidate…
zum Artikel »
Besser als Lügen ist Vertuschen - Paul-Ehrlich-Institut legte während der »Pandemie« keine Protokolle an

Besser als Lügen ist Vertuschen - Paul-Ehrlich-Institut legte während der »Pandemie« keine Protokolle an

Wenn staatliche Behörden beginnen, die eigene Intransparenz zur Tugend zu erklären, ist das kein Verwaltungsfehler mehr – es ist ein pol…
zum Artikel »
SA-Schlägertruppen in Teuchern? Wurden die Stadträte bedroht?

SA-Schlägertruppen in Teuchern? Wurden die Stadträte bedroht?

Aus meiner Sicht war die Stadtratssitzung in Teuchern mit der Abstimmung zum IKIG (Interkommunales Industriegebiet) am 6.3.2025 eine Veranst…
zum Artikel »
Wirre und AfD-Post des CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze (Sachsen-Anhalt)

Wirre und AfD-Post des CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze (Sachsen-Anhalt)

Die AfD steht in Sachsen-Anhalt bei 41 Prozent und steuert auf eine mögliche absolute Mehrheit zu – während CDU-Ministerpräsident Sven …
zum Artikel »
Die Intoleranzgeplagten im Burgenlandkreis - Wenn Meinungsfreiheit als Belästigung empfunden wird

Die Intoleranzgeplagten im Burgenlandkreis - Wenn Meinungsfreiheit als Belästigung empfunden wird

Man kennt sie, diese Ritter der vermeintlichen Toleranz, die in jeder Diskussion vorgeben, für Offenheit und Meinungsfreiheit einzustehen �…
zum Artikel »
Lotto
der offizielle Kanal der Bürgerstimme auf Telegram   der offizielle Kanal der Bürgerstimme auf YouTube   Bürgerstimme auf Facebook
Unterstützen Sie das Betreiben dieser WebSite mit freiwilligen Zuwendungen:
via PayPal: https://www.paypal.me/evovi/12

oder per Überweisung
IBAN: IE55SUMU99036510275719
BIC: SUMUIE22XXX
Konto-Inhaber: Michael Thurm